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Kaum zu glauben, aber wahr: In Bulgarien wurde eine Regierung gefunden

16. August 2005 / Frank Stier

Am 16. Juli 2005 meldete die Tageszeitung Trud, die sozialistische Koalition für Bulgarien (KfB), die Zarenpartei (NBS II) und die türkisch orientierte Bewegung für Rechte und Freiheit (BRF) hätten sich auf die Bildung einer Koalition und die Verteilung der Ministerposten nach dem Schema 9:6:4 geeinigt. Diese Erwartung erwies sich als voreilig, da sich die Zarenpartei der Regierungsverantwortung entzog. Einen Monat später stellt sich diese vom Sozialisten Sergej Stanischev angeführte Koalition nun tatsächlich im bulgarischen Parlament zur Wahl, doch lautet die Formel nunmehr 8:5:3.

Die Bemühungen zur Regierungsfindung im Verlaufe der zwischen beiden Ereignissen liegenden vier Wochen verliefen teils zäh und teils turbulent. Immer wieder trafen sich die gleichen Gestalten zu den immer selben Verhandlungsrunden und verlautbarten anschließend austauschbare Stellungnahmen von der unabdingbaren Notwendigkeit einer zügigen Regierungsbildung mit stabiler Mehrheit zum Wohle Bulgariens im europäischen Einigungsprozeß usw. usf. Währenddessen hatte das Land mehrere verheerende Unwetter mit katastrophalen Folgen für die Bevölkerung der betroffenen Gebiete und die Infrastruktur zu gewärtigen.

Als das sich ständige Drehen im Kreis schließlich allzu offensichtlich nicht mehr weiterführte, kam es zum Eklat im Parlament: Die Mehrheit der Abgeordneten boykottierten die Wahl der avisierten Minderheitenkoalition aus KfB und BRF zunächst, wählten anschließend Sergej Stanischev mit einer Stimme Mehrheit zum Ministerpräsidenten, um seine KfB/BRF-Koalition schließlich platzen zu lassen. Damit schien Stanischevs Schicksal besiegelt, als tragischer Held in die bulgarischen Geschichtsbücher einzugehen, als Ministerpräsident für einen Tag und ohne Kabinett.

So war es nur gerecht, daß es der Nationalen Bewegung Zar Simeons II bei ihren Bemühungen zu einer Regierungsbildung mit dem zweiten Mandat um nichts besser ging. Sie hat sich nun doch noch zur Koalition mit den Sozialisten und den Türken entschlossen und ließ sich dabei vermutlich von der Erkenntnis leiten, daß sie von den ansonsten unvermeidbaren Neuwahlen gewiß nicht profitiert hätte.

Die Koalition aus Sozialisten, Zaristen und Türken weiß eine breite Mehrheit von 169 der 240 im Parlament sitzenden Abgeordneten hinter sich und sollte insofern in der Lage sein, die von der Europäischen Kommission angemahnten Reformen in Justiz und Verwaltung umzusetzen und die drohende Verschiebung des für 2007 geplanten EU-Beitritts um ein Jahr zu vermeiden. Allerdings gibt der Verlauf der fünfzig Tage währenden Regierungsfindung nicht allzu viel Grund zur Erwartung einer rationalen und effektiven Staatsverwaltung.

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